Wir haben Gebrauch gemacht von unserem Recht auf Information und die Antragsunterlagen im Kreis eingesehen. Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, dass der Holländer die ihm vom Kreis gemachten Auflagen oberflächlich und ohne jegliche Ernsthaftigkeit erfüllt, bzw. eben nicht erfüllt hat. Er lässt hier jegliche Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit vermissen. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das Mensch, Tier und Umwelt schwer schädigen kann. Diese Oberflächlichkeit ist gefährlich und skandalös und wir vertrauen auf die kritische Haltung, die das Kreisbauamt dem Investor hoffentlich entgegenbringen wird. Wir haben dem Kreis unsere sämtlichen Bedenken schriftlich mitgeteilt.
- 1. Da ist zum einen die Tatsache, dass er die Abluftkamine nicht in der vorgeschriebenen Höhe errichten will und auch den Einsatz von Luftfiltern nicht vorgesehen hat. Wir haben ihn in Holland (Nähe Nijmegen) besucht. Dort waren große Mastställe, aber es roch nicht. Auf unsere Nachfrage hin räumte er ein, dass er Luftfilter installiert habe. Warum tut er das bei uns nicht?
- 2. Er hat geplant, einen Teil der anfallenden Gülle in den bereits vorhandenen uralten Güllebehältern zwischenzulagern. Aber er sagt nichts darüber, wie er der Gefahr, dass sie morsch sein könnten, begegnen will. Er riskiert den unkontrollierten Austritt der Gülle in Boden und Trinkwasser. Hier sollte das Kreisbauamt ganz genau hinsehen!
- 3. Skandalös ist auch die Tatsache, dass der Investor verendete Tierkörper – und davongibt es unter den qualvollen Lebensbedingungen der Tiere mehr als genug – in einem sogenannten Kadaverwagen ohne Kühlung (!) vor sich hingammeln lassen will. Dabei werden sie nicht etwa zeitnah entsorgt. Die Entsorgung hängt vielmehr vom Routenplan des Einsammelwagens der Tierkörperbeseitigungsanstalt ab.
- 4. Und nun zu den Lebensbedingungen der Tiere selbst: Sie sollen auf den höchst umstrittenen und von Tierschützern abgelehnten Spaltenböden gehalten werden. Dies bedeutet für die eng zusammengepferchten Tiere, dass sie sich kaum bewegen können. Sie müssen immer darauf achten, dass sie auf ihrem eigenen Mist nicht ausrutschen und mit ihren Hufen zwischen die Spalten geraten. Andererseits ist das System grade so angelegt, dass sie durch ihre Bewegungen den Mist durch die Spalten drücken, wo er dann in einem Lagerraum landet. Hinzu kommt noch, dass der Stall nur dann gereinigt wird, wenn die Tiere schlachtreif sind und zum Schlachter abtransportiert werden (d. h. alle drei bis vier Monate). Hier kämpfen wir Grünen – seit unserer Gründung – für eine artgerechte Tierhaltung. Keine qualvolle industrielle Erzeugung, sondern bäuerliche Landwirtschaft.
- 5. Einen weiteren Skandal stellen die nicht ausreichend eingehaltenen Brandschutzsbestimmungen dar.
- 6. Ebenso untragbar ist die Tatsache, dass der Holländer selbst sich von Holland (Nijmegen) aus dann um die Tiere kümmern will, wenn die hierfür eigentlich zuständige Person Urlaub, frei hat oder krank ist. Das würde bedeuten: Wenn in dem Stall eine Massenpanik (was bei den hochsensiblen Tieren vorkommen kann) ausbricht oder ein Feuer etc. dann wäre keiner in der Nähe, der sich mit dem Schweinestall auskennt. Und wir glauben nicht, dass man dann einfach die Türe öffnen und die Schweine rauslaufen lassen kann. Solche Mastanlagen sind aus gutem Grund (!) zu Hochsicherheitstrakten gemacht worden, damit kein Tierschützer reinschauen kann.
- 7. Der geforderte Ausbau der Straße genügt für das zu erwartende hohe Verkehrsaufkommen nicht! Der Hof des Schweinemastbetriebes sieht keine Fläche für mehrere LKW vor. Das bedeutet: Wenn das Tierfutter mit mehreren LKW angeliefert wird, dann müssen immer einige auf der Straße parken und warten, bis sie dran sind. Das bedeutet, dass der Verkehr dann in beiden Richtungen über nur eine schmale Spur laufen kann. Gerade die Einmündung der Abbiegespur nach Thum auf die in Rede stehende Straße hat sich in letzter Zeit als Unfallpunkt (mit erheblich schlimmen Unfällen) herausgestellt. Wir Grünen stehen seit Jahren in Kontakt mit der örtlichen Polizei, um eine Verbesserung der Verkehrssicherheit hier vor Ort zu bewirken.
- 8. Und nun der letzte Punkt: Die Gülleabnahmeverträge.: Um sein einzig und alleine am eigenen persönlichen Profit orientiertes Unternehmen (zu Lasten von allen anderen Menschen, Tieren, Natur und Umwelt) durchziehen zu können, braucht er Bauern, die ihm vertraglich zusichern, dass sie seine Gülle abnehmen und auf ihren Feldern ausbringen. Und das Schlimme daran ist, dass er solche Bauern hier in unserer nächsten Umgebung sogar gefunden hat. Wir können nicht verstehen, warum sich unsere Bauern für eine solche Sauerei hergeben. Aber auch ihnen geht es offensichtlich nur darum, Düngekosten einzusparen. Sie nehmen keine Rücksicht auf ihre um sie herum lebenden Menschen, aber auch nicht darauf, ob sie ihr Land für immer versauen. Sie haben doch auch Kinder, die einmal dieses Land bestellen sollen! Nein auch sie – uns sie sind uns namentlich bekannt! – beteiligen sich an diesem Frevel! Sie wollen keinen „kontrollierten“ Dünger kaufen, und lassen sich stattdessen das mit Medikamenten, Antibiotika und Hormonen verseuchte Zeug schenken. Hier ist auf die resistenten Keime zu verweisen, von denen erwiesen ist, dass sie durch die Massentierhaltung entstehen.
Nun ist es so, dass die bereits geschlossenen Fünfjahres-Verträge mittlerweile schon 3 Jahre alt sind und demnach nicht mehr die Bedingung (langfristig gesicherte Abnahme der Gülle) erfüllen. Sie müssen erneuert werden. Bevor dies geschehen ist, sollte der Kreis die Genehmigung nicht erteilen. Appell an die Bauern: Gebt euch für diese Schweinerei nicht her! Bewirtschaftet euer Land, aber macht es rücksichtsvoll und nachhaltig. Es kann und darf nicht sein, dass der Profit eines einzelnen auf Kosten aller erwirtschaftet wird!
Bauern: überlegt Euch, warum die Holländer nach Deutschland drängen: NL ist verseucht! In Holland bekommt jeder Bauer, der einen Mastplatz abbaut, vom Staat 200 € geschenkt. Das sind bei 1440 Schweinen… Na? Und deshalb kommen sie mit ihrer Sauerei hierher. Bis wir in der Gülle versunken sind!
Appell an Kreisbauamt: Achten Sie strengstens auf die Einhaltung der Vorschriften. Lassen Sie sich die Oberflächlichkeit, mit der der Investor die Behörden abspeisen will nicht gefallen. Der Investor ist kein ernsthafter Vertragspartner. Das sieht man u. a. daran, dass er mehrfach versucht hat, die Genehmigung zu bekommen, noch bevor er die Bedingungen (Erschließungskosten hinterlegen) erfüllt hat. Er macht auf uns nicht den Eindruck, als werde er von sich aus auf die Einhaltung der Bestimmungen achten. Nein, man wird ihm auf die Finger gucken müssen, ihm auf die Schliche kommen müssen. Und jeder weiß, wie schwer es ist, einen solchen Betrieb zu kontrollieren. Da verwundert es nicht, dass der Holländer bei einem Besuch zu den VertreterInnen der BI gesagt hat, er könne an den 1440 Mastplätzen nichts verdienen, wolle das Projekt aber trotzdem durchziehen, weil er dadurch „den Fuß in die Tür“ bekomme. Es ist einfach unglaublich.
Appell an die Presse: Sprechen Sie mal mit der Landwirtschaftskammer, wie gründlich die Gülleabnahmeverträge eigentlich geprüft wurden. Wieviel qm Ackerfläche steht wirklich zur Verfügung? Haben die Bauern eigene Tiere, denen Gülle sie bereits aufbringen? Wie stellt die Landwirtschaftskammer die Kontrolle vor? Wir fordern:
Nehmen sie Luft- Boden- und Wasserproben, bevor die erste bedauernswerte Kreatur hier ihr qualvolles Leben fristet. Und wiederholen sie diese Kontrollen auf den Böden, nachdem die 1000 cbm Gülle ausbegracht sind. Das sind zweimal im Jahr 40 bis 50 Gülletransporter voll. |